Blick hinter die Kulissen: Das Projekt Vereinschronik vom BSV Sudendorf-Schierloh
Foto: pro-t-in GmbH
Zwei Bände, rund 500 Seiten: Die Vereinschronik des Bürgerschützenvereins Sudendorf-Schierloh ist ein echtes Opus magnum. Erstellt und redigiert wurde sie ehrenamtlich von Antonius Recker. Im Gespräch erzählt er, wie er das Projekt umgesetzt hat und wie LEADER dabei unterstützen konnte.
Es müssen unzählige Papiere und Fotos gewesen sein, die Antonius Recker in seinem Haus in Sudendorf ausgebreitet hat. Er hat sich extra ein Zimmer dafür eingerichtet, um die Vereinschronik des Bürgerschützenvereins Sudendorf-Schierloh zu erstellen. Einen Raum, in dem er nicht aufräumen muss, denn: 100 Jahre Vereinsgeschichte fast man nicht mal eben zusammen. Rund drei Jahre sollte es dauern, bis das Werk fertiggestellt war. „Wenn du abends aufräumen musst, kommt du nicht klar!“, erzählt er mit einem Lachen.
Passionierter Chronist
Antonius Recker weiß, was er tut, denn es ist schon die dritte Chronik, die er für den Schützenverein schreibt. Die erste erschien 1985 zum 60-jährigen Bestehen, gefolgt von einer aktualisierten Version im Jahr 2000 zum 75. Jubiläum. Auch eine Familienchronik und eine Chronik für seine ehemalige Firma hat er schon erstellt. „Ich habe zum Verein gesagt: Ich bin jetzt 77 Jahre alt und so weit fit, dass ich das ein drittes Mal hinkriege“, berichtet er. Zum BSV Sudendorf-Schierloh hat er eine besondere Beziehung: „Ich bin mit dem Schützenverein aufgewachsen, das Schützenhaus befindet sich auf unserem Grundstück. Hinzu kommt, dass ich ein Faible für alles Historische habe. Ich bin quasi der Historiker bei uns im Schützenverein.“
Antonius Recker hat Texte geschrieben, Dokumente zusammengetragen und Fotos ausgewählt. „Redaktionell muss es in einer Hand liegen, sonst hat man einen Stilbruch drin“, berichtet der erfahrene Chronist. Unterstützung beim Setzen der Seiten hatte er von Karl-Heinz Krützkamp, der in Glandorf eine Druckerei betrieben hat. Gemeinsam haben sie unzählige Stunden damit verbracht, die einzelnen Seiten in Form zu bringen.
100 Jahre, tausende Fotos
Ursprünglich sollte die Chronik zum 100. Vereinsjubiläum erscheinen. „Kurz vor Redaktionsschluss habe ich aber noch so viele Informationen und Bilder bekommen, dass ich das zeitlich nicht mehr auf die Reihe gekriegt habe. Und ich fand es auch schade, dass wir das eigentliche Jubiläum gar nicht abbilden können, wenn die Chronik zu diesem Jubiläum erscheint.“ Also entscheidet der Verein auf Vorschlag Reckers, das Jubiläumsjahr miteinzubeziehen. Das verschafft dem Chronisten Freiraum, aber auch mehr Arbeit: „Heute wird ja inflationär fotografiert. Allein aus dem Jubiläumsjahr habe ich 10.000 Fotos gehabt.“
Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit später steht das finale Projekt. Zwei Bände sind es geworden. Der erste ist die eigentliche Chronik des Vereins und dokumentiert die Ereignisse von 1925 bis 2025. Das 100. Jubiläum wird ausführlich mit vielen Fotos dargestellt. Der zweite Band trägt den Titel „Gesichter und Geschichte(n)“ und gibt unter anderem Einblicke in die Geschichte des Schießsports des Vereins und die verschiedenen Untergruppen, und er erzählt von Wettbewerben und Traditionen.
LEADER-Förderung per Zufall
LEADER unterstützt das Projekt mit rund 7.400 Euro. Von der Förderung hat Antonius Recker zufällig erfahren: „Wir haben den Schützenplatz und unsere Hofkapelle über die Dorfentwicklung saniert. Im Zuge dessen war auch Christian Busch vom Amt für regionale Landesentwicklung hier und ich habe ihm erzählt, dass ich an der Chronik arbeite und dass das einen Haufen Geld kostet. Er hat mir dann den Vorschlag gemacht, einen Antrag auf LEADER-Förderung zu stellen. Die Unterstützung von Seiten des Amts ist wirklich hervorragend gewesen.“ Dank LEADER war es auch möglich, die Chronik ohne Anzeigen zu erstellen. „Wir wollten kein Reklameblättchen. Jetzt haben wir eine Chronik ohne Werbung, die wir für einen vertretbaren Preis anbieten können“, berichtet Antonius Recker.
Das Ergebnis ist eine hochwertige Rückschau, die sicher auch eine gute Grundlage für folgende Chroniken bietet. Antonius Recker ist überzeugt, dass die beiden Bände einen Wert haben, der über den Schützenverein hinausgeht: „Das ist eine Vereinsgeschichte für das ganze Dorf. In Glandorf haben wir ja drei Schützenvereine, die auf der gleichen Historie aufbauen und die Chronik erzählt auch einfach viel über die Geschichte des Dorfes.“