Projektträger im Interview: Bühnenersatzverkehr Theaterlinie 49
Die neue Bühne des Bühnenersatzverkehrs in der ConCello Halle Bad Laer mit dem 1. Vorsitzenden Patrick Hehemann. (Fotos: Felix Pieper, Max Pieper)
Seit Anfang 2026 ist der Bühnenersatzverkehr Theaterlinie 49 in der ConCello Halle in Bad Laer zu Hause. Wie LEADER bei der Einrichtung der neuen Theaterwerkstatt helfen konnte, erklärt der Vorstand im Interview.
Für alle, die das Projekt noch nicht kennen: Was haben Sie gemacht? Wie konnte LEADER dabei unterstützen?
Mit dem Projekt haben wir für den gemeinnützigen Theaterverein Bühnenersatzverkehr Theaterlinie 49 e.V. eine neue, dauerhaft nutzbare Theaterwerkstatt in der ConCello Halle in Bad Laer eingerichtet. Für uns war das ein ganz entscheidender Schritt: Unser Verein hatte sich seit seiner Gründung im Jahr 2020 sehr schnell entwickelt. Bereits seit 2021 hatten wir im Bad Laer Center eine eigene Theaterwerkstatt und konnten dort drei bis vier Musicalproduktionen pro Jahr auf die Bühne bringen. Dann stand allerdings fest, dass wir unsere bisherige Spielstätte verlassen müssen. Für einen Verein, der seine gesamte Arbeit auf einer eigenen Theaterwerkstatt aufgebaut hat, war das zunächst eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig wollten wir diese Situation als Chance begreifen und eine Spielstätte schaffen, die uns langfristig noch bessere Möglichkeiten bietet.
Nach intensiver Suche haben wir schließlich die ConCello Halle in Bad Laer gefunden. Die Halle bietet uns eine langfristige Perspektive und ist für den Veranstaltungsbetrieb bereits entsprechend genehmigt.
Die LEADER-Förderung war dabei ein wesentlicher Bestandteil der Ersteinrichtung. Konkret konnten wir wichtige Grundausstattungen finanzieren, die wir für den Theaterbetrieb benötigen – unter anderem den Tribünenaufbau für das Publikum, den für eine Versammlungsstätte geeigneten Molton, Anpassungen an der Stromversorgung und den Bühnenaufbau.
Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nach einzelnen Bauteilen. Tatsächlich geht es aber um die grundlegende Infrastruktur, die überhaupt erst ermöglicht, dass aus einer großen ehemaligen Industriehalle eine funktionierende Theaterwerkstatt werden kann. Andere Förderungen konnten beispielsweise bereits die Technikempore, eine professionelle Tonanlage und ein Traversensystem ermöglichen. Zusammengenommen ist so Schritt für Schritt eine echte Theaterinfrastruktur entstanden.
Welchen Mehrwert hat das Projekt für den Verein und für das Publikum?
Für uns als Verein bedeutet die neue Theaterwerkstatt zunächst einmal Sicherheit und eine langfristige Perspektive. Wir haben jetzt einen Ort, an dem wir unsere Produktionen nicht nur aufführen, sondern auch entwickeln, proben, bauen und organisatorisch vorbereiten können. Gleichzeitig bietet uns die neue Halle deutlich bessere Möglichkeiten, unseren Theaterbetrieb weiterzuentwickeln.
Der vielleicht wichtigste Mehrwert liegt aber gar nicht allein in den Räumlichkeiten. Es geht darum, was dort stattfinden kann. Unser Verein lebt ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement und davon, dass Menschen nicht nur auf der Bühne stehen, sondern Verantwortung übernehmen. Gerade junge Menschen bekommen bei uns früh die Möglichkeit, eigene Aufgaben und Leitungsverantwortung zu übernehmen – beispielsweise in den Bereichen Bühnenbild, Kostüm, Maske, Choreografie, Technik oder Regieassistenz. Die Projektleitungen liegen, mit Ausnahme der künstlerischen Gesamtleitung, bei jungen Menschen unter 27 Jahren.
Damit ist die Theaterwerkstatt für uns weit mehr als ein Veranstaltungsort. Sie ist ein Ort, an dem junge Menschen ausprobieren können, was sie können, an Verantwortung herangeführt werden, im Team arbeiten und erleben, dass ihre Ideen und ihr Engagement etwas bewirken. Auch inhaltlich verstehen wir Theater nicht ausschließlich als Unterhaltung. In unseren bisherigen Produktionen haben wir beispielsweise Themen wie Toleranz, Teilhabe von Menschen mit Behinderung, bezahlbaren Wohnraum oder den Umgang mit Rechtspopulismus aufgegriffen.
Für das Publikum bedeutet die neue Theaterwerkstatt deshalb vor allem, dass dieses Angebot in der Region dauerhaft erhalten bleibt und weiter wachsen kann. Gerade im ländlichen Raum gibt es nur wenige Möglichkeiten, selbst aktiv Kultur zu gestalten. Wir möchten nicht nur Kultur anbieten, sondern einen Ort schaffen, an dem Menschen unterschiedlichen Alters zusammenkommen und Kultur gemeinsam erleben und gestalten können.
Und natürlich profitieren die Zuschauerinnen und Zuschauer auch ganz unmittelbar von den besseren räumlichen und technischen Möglichkeiten. Die neue Spielstätte erlaubt uns, unsere Produktionen auf einem Niveau umzusetzen, das unseren gestiegenen künstlerischen und technischen Ansprüchen entspricht. Die neue Tribüne bietet den Besuchern beste Sichtmöglichkeiten auf das Bühnengeschehen, die Vorhänge grenzen den Bühnenraum ansprechend vom Backstage ab und es werden verschiedene Aufgangsmöglichkeiten geschaffen.
Wie wichtig war die LEADER-Förderung für die Umsetzung des Projekts?
Die LEADER-Förderung war für die Umsetzung der neuen Theaterwerkstatt sehr wichtig. Gerade bei einem solchen Umzug entstehen zunächst hohe Investitionskosten, obwohl der eigentliche Kulturbetrieb weiterhin aus den laufenden Einnahmen getragen werden soll. Für uns war deshalb entscheidend, die einmaligen Kosten der Ersteinrichtung nicht vollständig aus den laufenden Vereinsmitteln finanzieren zu müssen.
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, unseren laufenden Kulturbetrieb langfristig eigenständig und ohne dauerhafte Fördermittel aufzustellen. Die Herausforderung lag vor allem darin, die einmalige Investition zu stemmen, die notwendig war, um die neue Spielstätte überhaupt sinnvoll nutzen zu können.
LEADER hat uns dabei ermöglicht, einen wesentlichen Teil dieser notwendigen Grundausstattung zu realisieren. Gerade bei einer Theaterwerkstatt sind solche Investitionen nicht einfach „nice to have“. Tribüne, Bühnenaufbau, Stromversorgung und geeignete Ausstattung für die Veranstaltungsfläche sind die Grundlage dafür, dass wir unseren Theaterbetrieb überhaupt in der vorgesehenen Form durchführen können.
Gleichzeitig war die LEADER-Förderung für uns auch ein wichtiges Signal: Sie zeigt, dass unsere Arbeit und die Entwicklung unseres Vereins als Teil der regionalen Kultur- und Jugendförderung wahrgenommen werden. Das ist für einen vollständig ehrenamtlich getragenen Verein eine große Wertschätzung.
Am Ende hat die Förderung deshalb nicht nur bei einzelnen Anschaffungen geholfen. Sie hat dazu beigetragen, dass wir den Schritt in eine neue, langfristig angelegte Spielstätte tatsächlich gehen konnten und unsere bisherige Entwicklung nicht durch den notwendigen Standortwechsel abbrechen musste.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Regionalmanagement und der Antragstellung gemacht?
Unsere Erfahrungen mit dem LEADER-Regionalmanagement waren durchweg sehr positiv. Wir wurden sowohl bei der Antragstellung als auch bei der weiteren Umsetzung des Projekts gut beraten und begleitet.
Besonders hilfreich war für uns, dass die Kommunikation unkompliziert und persönlich möglich war. Viele Fragen konnten direkt telefonisch geklärt werden, gleichzeitig wurden Anfragen per E-Mail schnell beantwortet. Gerade bei einem Projekt, das sich während der Planung immer wieder verändert, war diese direkte Kommunikation für uns sehr wertvoll.
Das Antragsverfahren selbst ist natürlich durchaus aufwendig. Gerade der Umfang des Antrags und die Frage der erforderlichen Kofinanzierung waren für uns als ehrenamtlich getragenen Verein Herausforderungen. Wir mussten uns zunächst intensiv damit auseinandersetzen, wie wir die verschiedenen Finanzierungsbausteine sinnvoll zusammenstellen können.
Dabei haben uns die Hinweise und die konkrete Unterstützung des Regionalmanagements sehr geholfen. Das galt nicht nur für die ursprüngliche Antragstellung, sondern insbesondere auch später, als sich im Laufe des Projekts Rahmenbedingungen verändert haben. Unter anderem mussten wir den Zeitrahmen mehrfach anpassen beziehungsweise verlängern. Auch hierbei war die Zusammenarbeit unkompliziert und lösungsorientiert.
Für uns war deshalb vor allem wichtig, dass wir nicht das Gefühl hatten, mit einem komplexen Förderverfahren allein gelassen zu werden. Wir konnten Fragen stellen, haben konkrete Rückmeldungen bekommen und konnten notwendige Änderungen gemeinsam besprechen. Wir würden uns deshalb auch mit zukünftigen Projektideen wieder an LEADER beziehungsweise das Regionalmanagement wenden. Gerade für ehrenamtliche Vereine kann eine solche Begleitung einen großen Unterschied machen, weil man dadurch auch bei komplexeren Förderprojekten eine gute Orientierung bekommt.
Wenn ich eine Show jetzt live erleben möchte: Wo kann ich Tickets bekommen?
Unsere nächste große Produktion ist das Musical „Greta. Faust ohne Faust“, das im Februar und März in unserer neuen Theaterwerkstatt in der ConCello Halle in Bad Laer zu sehen sein wird. Tickets gibt es online unter ticket.buehnenersatzverkehr.de sowie bei der Tourist-Information Bad Laer. Der reguläre Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 19 €, der ermäßigte Preis liegt bei 12 €. Wer sich über die konkreten Spieltermine und unsere weiteren Produktionen informieren möchte, findet alle aktuellen Informationen auf unserer Website www.buehnenersatzverkehr.de.
Und natürlich freuen wir uns besonders darüber, wenn Menschen nicht nur zu einer Vorstellung kommen, sondern auch einmal erleben, was hinter dem Theater steckt. Die neue Theaterwerkstatt ist für uns schließlich nicht nur der Ort, an dem am Ende die Vorstellung stattfindet. Sie ist der Ort, an dem die Stücke entstehen, an dem Menschen gemeinsam proben, bauen, organisieren und Verantwortung übernehmen – und genau das macht den Bühnenersatzverkehr für uns aus.