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550 Schüler schnuppern bei "Azubis werben Azubis" Wirtschaftsluft

Torsten Dimek (Bürgermeister Gemeinde Glandorf), Landrätin Anna Kebschull, Christoph Strautmann (Gesellschafter Strautmann Umwelttechnik), Marc Schewski (Bürgermeister Gemeinde Hilter), Günter Komesker (Geschäftsführer Strautmann Umwelttechnik), Daniel Große-Albers (Bürgermeister Stadt Bad Iburg) und Susanne Steininger (Bereichsleiterin, Übergangsmanagement Schule-Beruf MaßArbeit). Foto: Miriam Loeskow-Bücker / MaßArbeit

Maschinen raus, Messestände und Jugendliche rein: In den Hallen des Spezialisten für Entsorgungstechnik Strautmann Umwelttechnik GmbH in Glandorf war  zunächst viel Arbeit nötig, um Platz für die Ausbildungsmesse Azubis werben Azubis zu schaffen. „Wir wussten, dass das Aufwand bedeutet. Aber wenn man bei diesem tollen Konzept zur Azubi-Akquise mitmachen will, ist man gern auch mal Gastgeber und nimmt den Aufwand in Kauf“, so Gesellschafter Christoph Strautmann. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Mehr als 550 Schülerinnen und Schülern nutzen die Gelegenheit, mit 56 regionalen Betrieben über Ausbildung, duales Studium und Karrierechance ins Gespräch zu kommen.

 Die Berufsorientierungsmesse „Azubis werben Azubis“ (AwA) wird seit 2009 von der MaßArbeit und dem LEADER Regionalmanagement für das Südliche Osnabrücker Land organisiert. Unterstützt wird das Organisationsteam von Mitarbeitenden des ausrichtenden Unternehmens und der Gastgemeinde im südlichen Osnabrücker Landkreis. Drei Besonderheiten zeichnen die Messe AwA aus: das „Laufbuch“, mit dem sich die Jugendlichen schon im Unterricht auf die Veranstaltung vorbereiten, aktuelle Azubis als Gesprächspartner auf Augenhöhe und die Arbeitsproben: Typische Tätigkeiten, die die von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsberufe kennzeichnen. Durch sie erhalten die Jugendlichen einen praktischen Einblick in den Alltag des jeweiligen Ausbildungsberufes. Auch die Betriebe profitieren von diesem Setting. Sie haben die Chance, Eignungen zu testen, Kontakt zu potenziellen Auszubildenden zu knüpfen und sich so ihre späteren Fachkräfte zu sichern.

Viele Mitmachaktionen

Beim Rundgang über die Messe hatten Landrätin Anna Kebschull und die teilnehmenden Bürgermeister Torsten Dimek (Glandorf), Daniel Große-Albers (Bad Iburg) und Marc Schewski (Hilter) viel Freude daran, diese Arbeitsproben selbst zu testen. Die Aufgaben waren vielfältig: Karabinerhaken aus Kunststoffgranulat in Spritzgusstechnik pressen bei Faust Kunststoffe, ein Geographie-Quiz beim Logistiker Dachser lösen, Kebab-Gewürz mischen bei Fuchs oder beim Gastgeber Strautmann einen Handyhalter montieren. In vielen Unternehmen hatten sich die aktuellen Azubis die Arbeitsproben selbst überlegt. „Ich bin begeistert von der Kreativität und dem Engagement unserer Betriebe“, so die Bilanz des Glandorfer Bürgermeisters Dimek. 

Landrätin Anna Kebschull zeigte sich überzeugt: „Ausprobieren ist der Schlüssel. Durch das Tun entdeckt man, was man kann. Schließlich wussten die wenigsten von uns in der Abschlussklasse, was sie mal werden wollten.“ Strautmann-Geschäftsführer Günter Komesker ergänzte: „Die Situation hat sich seit meiner Schulzeit komplett gedreht: Wir aus der Boomer-Generation mussten uns bei den Unternehmen bewerben. Heute bewerben wir uns als Unternehmen bei den Schülern.“

Jugendliche gut vorbereitet

Und genau dabei unterstützt die Maßarbeit die Unternehmen - und auch die Schülerinnen und Schüler. Ausbildungslotsen der MaßArbeit besuchen die Abschlussklassen und bereiten mit Hilfe des Laufbuchs einen konstruktiven Messerundgang mit den Acht - bis Zehntklässlern vor. „Die Jugendlichen müssen sich über mindestens sechs Ausbildungsberufe aus mindestens zwei verschiedenen Branchen und auch über zwei Berufe, die sie noch nicht kennen, informieren. Und das im Laufbuch dokumentieren“, erklärte Ausbildungslotsin Marina Mindrup.

Für die beiden Gymnasiastinnen Marie-Lou Krause (16) und Jana Pivovarcik (16) ist das Laufbuch eine sinnvolle Hilfestellung, wie sie sagten: „Wir können hier zu vielen Unternehmen Kontakte knüpfen und das im Laufbuch festhalten“, so Krause. „Und mit der Visitenkarte aus dem Laufbuch unsere Kontaktdaten dem Unternehmen schon mal dalassen. Zum Beispiel für ein Praktikum, das wir uns im Jahrgang 11 dann selber organisieren müssen“, ergänzte Pivovarcik.

Austausch auf Augenhöhe

„In unserem Messe-Konzept zur Berufsorientierung legen wir großen Wert darauf, dass hier die aktuellen Azubis der Unternehmen mitwirken“, hob Susanne Steininger, Bereichsleiterin Übergangsmanagement der MaßArbeit hervor. „Sie ermöglichen als Gesprächspartner der Jugendlichen eine Peer-to-peer-Kommunikation.“ So wie etwa Max Schwindt (2. Lehrjahr) und Marlon Tkotz (3, Lehrjahr), die bei Strautmann Umwelttechnik ihre Ausbildung zum Feinwerkmechaniker der Fachrichtung Maschinenbau absolvieren. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Maschinen zur Volumenreduzierung und Entsorgung von Wertstoffen. „Es waren ganz viele Leute hier, die wir aus der Schule kannten. Und mit denen quatscht man dann sowieso und kann etwas über den Beruf erzählen“, so Schwindt. 

„Genau diese Regionalität ist uns wichtig. Wir wollen die Jugendlichen in der Region halten. Sie sollen nicht nur ihren privaten, sondern auch ihren beruflichen Lebensmittelpunkt hier finden“, betonte Annika Witte von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit: „Darum ist es auch so wichtig, dass unsere Messe immer ein Unternehmen aus der Region als Gastgeber hat.“ So sähen die Schülerinnen und Schüler auch mal einen Betrieb von innen. Susanne Steininger ergänzte: „Und können hier mal Wirtschaftsluft schnuppern.“

Regionalmanagement zieht positives Fazit

Auch LEADER-Regionalmanagerin Nicole Borth zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Messe: „Die „Azubis werben Azubis“-Messe in Glandorf war aus meiner Sicht insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Die Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot sehr gut an, was ich auch an den vielen ausgefüllten Seiten ihrer Laufbücher sehen konnte. Die offene und praxisnahe Atmosphäre habe ich als sehr positiv wahrgenommen, da sie dazu beigetragen hat, dass viele Jugendliche ohne Hemmschwellen mit den Unternehmen ins Gespräch gekommen sind. Außerdem ist mir aufgefallen, dass sich viele der Teilnehmenden bereits aus Sportvereinen oder dem Dorfleben untereinander kannten. Der geringe Altersunterschied zwischen den Auszubildenden und den Schülerinnen und Schülern hat den Kontakt zusätzlich erleichtert und die Gespräche insgesamt sehr ungezwungen gemacht.“

SOL-Regionalmanagerin Nicole Borth bei "Azubis werben Azubis".